Das Weinjahr 2025 des Profi Sommeliervereins Steiermark
Liebe Freunde des Profi Sommelier Vereins. Es ist unglaublich, dass ein neues Jahr wieder in das Land gezogen ist. 2025 war wieder einmal ein Jahr, dass von fantastischem Wein, großartigen Menschen und vielen tollen Gesprächen geprägt war.
Im Jänner starteten wir mit einem Ausflug in das Piemont. Gaja, Sandrone, Vietti, Pio Cesare und noch viele mehr standen auf der Liste. Vier wunderbare Tage verbrachten wir im Piemont und erlebten eine großartige Zeit mit Freundschaften, Gesprächen, fantastischem Essen und Wein.
Der März brachte eine Verkostung in der Weinkehr. Thema war Burgund – eine Region großer Weine, oft in schwindelerregenden Preislagen, aber auch mit Betrieben, die herausragende Qualität zu fairen Preisen liefern. Präsentiert wurden Weine von Domaine Pierre-Olivier Garcia, Domaine de la Tour Saint-Hilaire, Domaine Camille Thiriet und Maison Skyaasen – allesamt Betriebe, die ohne Dogmen arbeiten und Entscheidungen im Dienst des Weins treffen. Nicht der Weg zählt, sondern das Ergebnis. Die Kostraum Buam, Mathias Riepl und Jan-Hendrik Maier lieben was sie tun. Eine großartige Verkostung mit fantastischen Weinen, an einem besonderen Ort: der kürzlich eröffneten Weinkehr in Gamlitz von Philipp Marko und Lukas Fürk. Eine klare Empfehlung – für Kostraum ebenso wie für die Weinkehr.
Im April ging es nach Wien zu einer Verkostung mit dem deutschen Weinhändler Lobenberg. Dieser organisierte eine Portfolio-Verkostung der Sonderklasse, mit fast allem was das Sortiment zu bieten hat.
Der Steirische Sommelierverein verkostete im Mai Chardonnay beim Pfarrhof von Harald Irka in St. Andrä. Vergleiche sind in der Weinwelt ebenso lehrreich wie unterhaltsam – besonders, wenn zwei große Herkunftsregionen aufeinandertreffen. Im Fokus standen 16 Chardonnays des Jahrgangs 2021 aus der Steiermark und dem Burgund. Serviert wurden acht Flights, mit jeweils einem Vertreter pro Region. Die Weine waren nicht immer auf den ersten Blick zu unterscheiden, dennoch ließen sich regionale Handschriften erkennen. Auffällig war der unterschiedliche Umgang mit Reduktion: Die steirischen Weine zeigten sich im Schnitt deutlich reduktiver und dadurch straffer, während Burgund hier zurückhaltender agierte – ein möglicher Hinweis auf eine stilistische Abkehr von der einst stark prägenden Coche-Dury-Ästhetik. Gleichzeitig kamen die offensten Ausbaustile ebenfalls aus der Steiermark, während sich das Burgund insgesamt homogener präsentierte. Unterschiede zeigten sich auch bei der malolaktischen Gärung. Leicht buttrige, laktische Noten waren häufiger in den burgundischen Weinen zu finden, vermutlich bedingt durch Schwefelmanagement und regionale Bakterienstämme. Auch der Holzeinsatz war im Burgund präsenter, jedoch meist sehr präzise und harmonisch umgesetzt. Qualitativ bewegten sich beide Regionen auf Augenhöhe – ein starkes Signal für die Steiermark. Die Verkostung, hervorragend kuratiert von René Kollegger, bestätigte vor allem eines: Die Steiermark muss nicht wie Burgund schmecken. Sie schmeckt nach Steiermark. Nicht die Rebsorte steht im Mittelpunkt, sondern die Herkunft. Und genau das macht diese Weine so spannend – und zukunftsfähig.
Im Juli durften wir im Weinrefugium Brolli unser Sommerfest feiern. Kosa Kocht Kollegger Sandra grillte für uns und es war ein fantastischer Nachmittag mit viel gutem Wein und Gesprächen.
Im September gab es eine Champagnerverkostung der besonderen Art organisierte der Steirische Sommelierverein Profi in der stimmungsvollen „Alten Post“ in Leibnitz. Präsentiert und begleitet wurde die Verkostung von der bezaubernden Nadine von Moët Hennessy, die mit Fachwissen, Charme und großer Leidenschaft durch die Welt des Champagners führte. Ihre Ausführungen waren ebenso präzise wie lebendig und schafften es, selbst komplexe Zusammenhänge verständlich und genussvoll zu vermitteln. Im Glas fanden sich aktuelle Jahrgänge einiger der renommiertesten Champagnerhäuser der Welt: Krug, Ruinart und Dom Pérignon. Jede dieser Ikonen steht für eine eigene Philosophie, einen eigenen Stil und eine eigene Interpretation von Herkunft, Zeit und Handwerk. Genau diese Unterschiede machten die Verkostung so spannend und lehrreich. Krug beeindruckte mit Tiefe, Struktur und bemerkenswerter Vielschichtigkeit – ein Champagner, der weniger auf vordergründige Frische setzt, sondern auf innere Spannung und großes Reifepotenzial. Ruinart zeigte sich elegant, präzise und fein gezeichnet, mit jener Leichtigkeit, die große Klasse niemals laut werden lässt. Dom Pérignon schließlich vereinte Kraft und Finesse auf beeindruckende Weise und unterstrich eindrucksvoll, warum er zu den großen Ikonen der Champagne zählt. Die Atmosphäre in der „Alten Post“ bot den perfekten Rahmen für diesen Abend: konzentriert, wertschätzend und zugleich entspannt. Es wurde aufmerksam verkostet, intensiv diskutiert und mit spürbarer Begeisterung genossen. Solche Abende zeigen eindrucksvoll, wie wichtig Austausch, Weiterbildung und gemeinsames Erleben für die Sommelierszene sind. Diese Verkostung war nicht nur ein Hochgenuss, sondern auch ein starkes Zeichen für die Qualität und den Anspruch des Steirischen Sommeliervereins Profi. Ein Abend, der lange in Erinnerung bleiben wird – getragen von großartigen Champagnern, exzellenter Organisation und der gemeinsamen Liebe zu den großen Weinen dieser Welt.
Der Steirische Sommelierverein Profi gastierte im Oktober in der Weinbar „Zeiserl“ in Leibnitz. Zur Verkostung amen Portweine, wobei der Fokus insbesondere auf Reife und Vielfalt gelegt wurde. „The first duty of a Port is to be red and the second is to be drunk“, meinte einst Ernest Cockburn – eine Aussage, die seine Skepsis gegenüber weißem Port erkennen lässt. In vielen Fällen mag das zutreffen, doch der 1968 White Colheita von Niepoort widerlegte dieses Vorurteil eindrucksvoll. Mit großer Komplexität, beeindruckender Frische, Intensität und Länge zeigte dieser Wein eine Klasse, die ihn mühelos in den Kanon großer Klassiker einreiht. Dieser Portwein zählte zu den Höhepunkten der Verkostung, die von Hans Martin Gesellmann (Kracher Fine Wine) kompetent geleitet wurde. Präsentiert wurden zudem zahlreiche Portwein-Stile aus seinem Portfolio: 10-, 20- und 30-jährige Tawnys, Colheitas, Vintage Ports sowie ein Garrafeira 1987.Eine lehrreiche und hochklassige Verkostung, die eindrucksvoll das Potenzial und die stilistische Vielfalt des Portweins aufzeigte und Lust auf vertiefende Auseinandersetzung machte.
So wie das Jahr begonnen hat, endet es auch wieder – mit einem Höhepunkt. Denn zum Abschluss eines ereignisreichen Sommelierjahres kam der Master persönlich in die Steiermark. Alex Koblinger MS führte den Steirischen Sommelierverein Profi auf eine ebenso fundierte wie inspirierende Reise durch das Piemont. Bereits von Beginn an war klar, dass dieser Tag mehr sein würde als eine klassische Verkostung. Mit großer Fachkenntnis, Klarheit und Leidenschaft spannte Alex Koblinger den Bogen von Herkunft und Geschichte bis hin zu Stilistik, Jahrgang und Handschrift der Winzer. Das Piemont zeigte sich dabei in all seinen Facetten – vielschichtig, anspruchsvoll und zutiefst terroirgeprägt. Im Mittelpunkt standen nicht nur große Namen, sondern vor allem das Verständnis für die Region: Nebbiolo in seinen unterschiedlichen Ausprägungen, die Feinheiten zwischen Barolo und Barbaresco, traditionelle versus moderne Interpretationen, sowie die Rolle von Zeit, Geduld und Herkunft. Koblinger verstand es meisterhaft, komplexe Zusammenhänge greifbar zu machen und gleichzeitig Raum für Diskussion, Austausch und persönliche Eindrücke zu lassen. Wie immer war es ein unvergesslicher Tag – geprägt von Konzentration, Neugier und echter Begeisterung für große Weine. Ein besonderer Dank gilt Döllerers Weinhandel für die exzellente Auswahl und Bereitstellung der Weine, die diesen Streifzug durch das Piemont erst möglich gemacht haben. Ebenso herzlich bedanken wir uns bei Wolfgang Pfanner für die großzügige Beherbergung im Loisium, das den perfekten Rahmen für diesen hochkarätigen Abschluss bot. Ein Jahresende, das sinnbildlich für den Anspruch des Steirischen Sommeliervereins Profi steht: Weiterbildung auf höchstem Niveau, getragen von Gemeinschaft, Leidenschaft und der Liebe zum Wein.

